Die Landwirtschaftsbetriebe werden immer häufiger mit Anfragen zu erneuerbaren Energieprojekten wie Windkraft-, Solar- oder Speicheranlagen konfrontiert. Viele Landwirte beschäftigen sich bereits selbst mit der Umsetzung solcher Projekte, doch spätestens, wenn Investoren auf sie oder ihre Verpächter zukommen, müssen sie sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzen. Um Landwirten eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten, organisierten der Bauernverband Kyffhäuserkreis e.V. und die Kyffhäusersparkasse gemeinsam ein Landwirtschaftsforum mit dem Titel „Photovoltaik und Wind – der Schlüssel zum Glück für Landwirte?“. Ziel der Veranstaltung war es, Hintergrundwissen zu vermitteln, aktuelle Entwicklungen aufzuzeigen und praxisnahe Lösungsansätze vorzustellen.
Am 12. März folgten zahlreiche interessierte Landwirte der Einladung in den Versammlungsraum der Kyffhäusersparkasse. Drei Experten gaben Einblicke in die wichtigsten Aspekte rund um Photovoltaikanlagen in der Landwirtschaft.
Aktuelle Entwicklungen im Photovoltaik-Ausbau in Thüringen
Daniel Krieg, Projektleiter der Servicestelle Solarenergie der Thüringer Energieagentur (ThEGA), informierte über den Stand des Photovoltaik-Ausbaus in Thüringen im Vergleich zu anderen Bundesländern. Die ThEGA als Landesenergieagentur berät Kommunen, Unternehmen und Bürger neutral und unabhängig im Auftrag der Landesregierung. Er zeigte auf, wie der Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik in den letzten Jahren gewachsen ist und welche Prognosen für die kommenden Jahre bestehen. Er stellte unterschiedliche Anlagenvarianten vor, darunter klassische Freiflächen-PV sowie Agri-PV, eine Form der Doppelnutzung, bei der Solarmodule mit landwirtschaftlicher Produktion kombiniert werden. Zudem erklärte er den Planungsprozess und die verschiedenen rechtlichen Privilegierungen, die bei der Genehmigung eine Rolle spielen.
Ein wesentlicher Punkt war die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen. Anhand konkreter Beispiele zeigte Krieg, welche Faktoren die Rentabilität beeinflussen und in welchen Fällen sich eine Investition lohnt. Sein Fazit war, dass der Anteil landwirtschaftlicher Flächen, die für Photovoltaikanlagen genutzt werden, insgesamt gering bleibt. Für Landwirte mit eigenen Flächen kann eine Teilverpachtung oder Agri-PV ein stabiles finanzielles Standbein schaffen. Pächter von Flächen haben hingegen nur begrenzte Einflussmöglichkeiten, es sei denn, sie können mit ihrem Verpächter ein gemeinsames Konzept erarbeiten.
Erfahrungen aus der Praxis: Planung und Umsetzung von PV-Anlagen
Mathias Golle, Projektleiter Photovoltaik bei der GLU GmbH Jena, teilte seine langjährige Erfahrung aus der praktischen Planung von PV-Anlagen. Als Planungsbüro mit 25 Jahren Erfahrung und Vorstandsmitglied einer Energiegenossenschaft mit den Schwerpunkten Windenergie, Photovoltaik und Stromvertrieb konnte er wertvolle Einblicke geben. Er stellte konkrete Projekte vor und sprach über Kooperationsmöglichkeiten zwischen Landwirten und Energieunternehmen, Herausforderungen beim Netzanschluss sowie planungsrechtliche Hürden auf kommunaler Ebene. Besonders der Netzanschluss bleibt trotz gesetzlicher Neuregelungen ein zentrales Problem. Da viele Kommunen keinen Flächennutzungsplan besitzen, sind oft städtebauliche Entwicklungskonzepte oder vorhabenbezogene Bebauungspläne mit Bauantrag und Genehmigungsverfahren notwendig.
Bei der Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen ist die Stromvermarktung ein entscheidender Faktor. Während die Einspeisevergütungen teilweise attraktiv erscheinen, gibt es auch Phasen mit negativen Strompreisen, in denen Erzeuger leer ausgehen. In Zukunft wird deshalb der Eigenverbrauch und die Speicherung von Strom immer wichtiger, wobei die hohen Investitionskosten für Speicheranlagen berücksichtigt werden müssen.
Auch zum Thema Agri-PV gab Golle wertvolle Hinweise. Hierbei müssen mindestens 66 Prozent des ursprünglichen landwirtschaftlichen Ertrags nach der Errichtung der Anlage erhalten bleiben. Das landwirtschaftliche Nutzungskonzept muss zertifiziert werden und wird während des Betriebs alle drei Jahre überprüft. Für die Genehmigung sind zahlreiche zusätzliche Gutachten notwendig, darunter eine Betriebsflächenanalyse. Zudem erfordert die Umsetzung eine langfristige Abstimmung zwischen Landwirt, Behörden und Agri-PV-Betreiber.
Juristische Fallstricke: Verträge zwischen Landwirten und Projektierern
Den Abschluss des Forums bildete ein Vortrag von Nadja Gipser, Referatsleiterin Recht beim Thüringer Bauernverband, die über Vertragsfragen und Haftungsrisiken informierte. In der Praxis gibt es viele Vertragsmuster, die nicht immer zugunsten der Landwirte gestaltet sind. Sie warnte vor langfristigen Bindungen mit unklaren Regelungen, unfairen Haftungsklauseln und verborgenen Kostenrisiken. Viele problematische Aspekte sind nicht sofort erkennbar, weshalb sie dringend empfahl, Verträge vor Unterzeichnung gründlich juristisch und steuerlich prüfen zu lassen, um unerwartete Nachteile zu vermeiden.
Fazit des Forums
Das Landwirtschaftsforum verdeutlichte, dass Photovoltaik und erneuerbare Energien sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Landwirte mit sich bringen. Die Nutzung von Flächen zur Energieerzeugung kann sich wirtschaftlich lohnen, erfordert jedoch eine umfassende Planung und fundierte Entscheidungen. Eine frühzeitige Informationsbeschaffung ist essenziell, um gut vorbereitet zu sein. Die Wirtschaftlichkeit hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Strompreise und Netzanschlussmöglichkeiten. Rechtliche Fallstricke in Verträgen sollten nicht unterschätzt werden, weshalb eine juristische Beratung ratsam ist. Die Umsetzung von Agri-PV erfordert detaillierte Konzepte und behördliche Genehmigungen. Kommunen spielen eine zentrale Rolle bei der Flächennutzungs- und Bauleitplanung.